Der Name

  • ca. 1220, 1277: Wilre
  • 1296: Dorf Wilre
  • 1339: Vogtei Wilre
  • 1519: Willer

Mit Weiler werden in der Regel römische Siedlungsreste bezeichnet. Die Bezeichnung wurde jedoch von den Franken übernommen. Weiler können also auch Gründungen aus fränkischer Zeit sein. Von lateinisch: villa = Landhaus oder villaris = Ortslage, die zu einem Landgut gehört.

Die Geschichte

  • Steinzeit
    Auf Bockenstück steinzeitliche Funde (4. Jahrhundert Merzig, S.V,2)
     
  • 10. bis 12. Jahrhundert
    Wilre (Fox)
     
  • ca. 1220
    Liber annalium iurium, Verzeichnis der Rechte des Erzbischofs von Trier:

    Wilre
    1. In Wilre hat der Erzbischof 5 ½ Mansen. Die ganzen zahlen 15 Solidi, der halbe 30 Denare.
    2. Er hat dort auch 3 Achten und einen Brühl.
    3. Was dort an Ackerland und Wald dem Erzbischof gehört, ist – die Mansen ausgenommen – terra salica [= mittelalterliche Bezeichnung für das "salguot", das freie, nicht verzinsbare Grundeigentum, ursprünglich Königsgut. 812 "sala regalis", 778 "unum agrum salicum". Vgl. die Flurnamen Salweiden (Büdingen), Selland (Hilbringen), Sehläcker (Besseringen)]
    4. Er hat dort auch 3 Mansen, deren Zahlungen in Gnaden erlassen, sie müssen jedoch 3 Tagen in die Achten des Erzbischofs kommen (zum Pflügen). Das gleiche tun alle, die in diesen Mansen wohnen und die sich aufhalten in diesem Bann.
    5. Wenn in den Mansen einer stirbt, wird das gleiche und in gleicher Art erhoben, wie bei den vorgenannten Mansen (Besthauptrecht).
     
  • 1277
    Ludowich, ein Laie von Hustrath, verkauft eine Wiese in der Pfarrei Wilre neben dem Hof der Merziger Kirche, daselbst dem Probst der Kirche St. Peter in Merzig. Erw. Thirricus, der Meier von Wilre (Jungk 560)
     
  • 1284
    Boemund von Sarbrücken erhält als lothringisches Lehnen den Hof Weiler im Land von Montclair (Jungk 619)
     
  • 1296
    Die Edelleute Wirich und Greta von Wilre, gen. von Ema, verkaufen Simon von Montcler ihre Güter im Dorfe Wilre. (MRR IV, 2485)
     
  • 1339
    Jakob von Montclair muss u.a. auch die Vogtei Wilre an Kurtrier abgeben. (Kell II S. 19)
     
  • 1519
    Willer, Peter Steinmetz Witwe, 1 Haushalt, halbe Steuer. (II. Jb. Merzig)
     
  •  1566
    Türkensteuer. Steuer zur Bekämpfung der Türken. In Weiler 3  Haushaltungen. (Dr. Jacob)
     
  • 1587
    Weiler zählt 8 Haushaltungen, dabei 1 Hirt, 1 Bettlerin. (Dr. Jacob)
     
  • 1608
    Mattheis Krieger von Weiler, 1606 den Spaniern entlaufen, wird wegen seines liederlichen Lebens von den Gerichtsleuten des Saargaues verhaftet. Er wird wegen Straßenraub, Ehebruch, Führung eines falschen Namens und Gotteslästerung zur Strafe des Prangers, öffentlicher Auspeitschung und zur Landesverweisung verurteilt. Er soll 3 Jahre in Ungarn gegen die Türken kämpfen. (Jacob, Siersburg S. 56)
     
  • 1612
    Die Bauern von Mondorf, Silwingen, Büdingen und Weiler weigern sich, Frondienste zu leisten für die Außenmauer der Siersburg. Sie unterliegen und werden zur Strafe von je 35 Franken verurteilt. Die Strafe wird dann auf 5 Franken ermäßigt. (Jacob, Siersburg S. 63)
     
  • 1615
    Weiler zählt 11 Haushaltungen, 5½ Steuerpflichtige (Hist. V.I S. 56)
     
  • 1618
    Ausbruch des 30-jährigen Krieges.
     
  • 1624 :
    Weiler zählt 1 Hofmann, 1 Bauer, der auch Meyer ist, 1 Küfer, 3 Tagelöhner, 3 Bettler, 1 Witwe, 1 Hirt, zusammen 11 Haushalte. (6.Jb. Merzig S. 30)
    Die Herren von Haracourt haben ein Haus in Weiler. (eba.)
     
  • 1657
    Das Visitationsprotokoll von Büdingen meldet: Weiler ist ganz verödet. (6. Jb. Merzig S. 28)
     
  • 1666
    Weiler ist unbewohnt (3. Jb. Merzig S. 72) Das Dorf ist verlassen und ohne Einwohner. (6. Jb. Merzig S. 30)
     
  • 1750
    Weiler zählt wieder 11 Haushaltungen.
     
  • 1756
    Bannrenovatur. Der Bann wird eingeteilt in 6 Stöcke.
    Namen: Mattheis Promenschenkel – Johannes Drisch – Matthias Klein – Friedrich Teron – Bastian Adam – Gladen. (St. Archiv Koblenz 143 Nr. 439)  

Das Grundgericht übten die Grafen von der Leyen, der Domdechant von Trier und der Abt von Mettlach gemeinsam aus. Als Grundzinsen wurden damals an den Grafen von der Leyen jährlich 3 ½ Malter Hafer und an den Abt von Mettlach ein Malter Korn abgeführt. 1

  • 1778
    Durch die Teilung des Kondominiums Saargau kommt Weiler zu Frankreich (Lothringen). 5 Ackersleute, 6 Tagelöhner, 11 Haushalte, ca. 60 Personen. (Kell I S. 415)
     
  • 1780-1850
    Familie Herkel/Herquel aus Distroff (Frankreich) lebt in Weiler, zieht dann wieder zurück nach Frankreich (E-Mail Jean Plessis aus Le Mans, Frankreich) vom 13.01.2009, merci beaucoup)
    - Barbara Herkel * 02.1803 in Weiler
    - Peter Schütz und Barbara Herkel heirateten am 03.01.1803 in Hilbringen
    - Barbara Schütz * 29.08.1840 in Weiler, wandert später nach Nordamerika aus
     
  • 1783
    Visitationsprotokoll Kirche Büdingen: In Weiler wohnen 20 Familien. Erw. Mathias Ohliger, Sendschöffe.
     
  • 1789
    Cahier de doléances, Beschwerdeschrift auf Anordnung der Regierung.

    • Versammlung am 8. März im Hause des Bürgermeisters Jean Dillinger. Verkündigung von der Kanzel am 8. März durch den Pfarrer von Büdingen.
    • 3 Feuerstellen – Keine Teilnehmerliste. 4 Unterschriften. Nur ein Deputierter wegen der geringen Einwohnerzahl.
    • Heft von zwei Seiten, beziffert und paraphiert durch uns, Jean Dillinger, königlicher Bürgermeister von Villers, Pfarrei Büdingen, alter Saargau. Es soll aufnehmen die Klagen, Beschwerden und Vorstellungen gemäß dem Brief des Königs vom 7. Februar dieses Jahres aus Versailles und in Übereinstimmung mit der Anordnung des Herrn Bailli und des Herrn Generalleutnants von Bouzonville.
    • Die Einwohner dieser Gemeinde, versammelt um über die Mittel zum Glücke des Staates zu beschließen, sind der Ansicht, dass das einfachste und wirksamste Mittel der vollständigen Abschaffung der Domänenhöfe wäre, umso mehr, als sie nicht nur Landwirtschaft und Handel lähmen, sondern auch für das Leben der Menschen schädlich sind. Sie machen es nämlich durch die unerhörten Salzpreise dem Volk unmöglich, sich eines absolut notwendigen Nahrungsmittels zu bedienen.
    • Sie hält es auch für unerlässlich, der Versammlung (der Stände) zu unterbreiten, dass die Wasserläufe im Allgemeinen den ganzen Bann verderben, dass sie in Anbetracht dessen besonders mit Steuern überlastet ist, da sie außerdem noch die Subvention, den Zehnten und den Zwanzigsten zahlen und Frondienste leisten muss, dazu eine Beisteuer von 9 Francs, die der Domäneneinnehmer im Widerspruch zum Vertrag bei der Abtrennung von jedem Einwohner erhebt. Da sie überzeugt ist, dass auch andere Gemeinden dieses alten Saargaus ihre Klagen und Beschwerden eingereicht und dargelegt haben, wünscht sie außerdem, dass man den deutschen Gemeinden die Verordnungen in deutscher Sprache schickt und dass die Baillage und sogar die Domänenverwaltung, falls sie trotz aller Reklamationen beibehalten wird, gezwungen werden, die Verordnungen an alle Gemeinden zu schicken, damit jeder Untertan davon Kenntnis nehmen kann. Es ist doch eigenartig, da8 man von erlassenen Verordnungen den Gemeinden keine Kenntnis gibt. Daher kommen dann Mahnungen und ungerechtfertigten Bestrafungen.
    • Die übrigen Beschwerden beruhen auf der allgemeinen Arbeitspflicht.
    • Gegeben in der Gemeinde Villers, den 8. März 1789. Matthias Olger – Johan Miche1 Hurt – Schang Ortkar (?) – Jean Dillinger.

    Die Beschwerdeschriften blieben ohne Weiterungen, da im gleichen Jahr die Französische Revolution ausbrach.
     
  • 1803: 35 Einwohner
     
  • 1811: Weiler und Wellingen kommen zur Mairie Büdingen
     
  • 1815: 108 Einwohner
     
  • 1816: Weiler wird preußisch und tritt zur Bürgermeisterei Hilbringen
     
  • 1818: 85 Einwohner
     
  • 1824: Errichtung einer Kapelle (Kell I S. 415)
     
  • 1830: 100 Einwohner.
     
  • 1832: 112 Einwohner.
     
  • 1834: Der Tagelöhner Johann Zenner, Weiler, erlegt einen Wolf. (Jb. Merzig 1966 S. 175)
     
  • 1838
    Daun Peter mit 8 Personen und ein weiterer Daun Peter mit 4 Personen wandern aus nach Frankreich. (3. Jb. Merzig S. 50)
     
  • 1843: Weiler zählt 165 Einwohner, 31 Häuser, 1 Kapelle. (GuO Tabellenteil S. 124)
     
  • 1844: Pater Back wandert aus nach Frankreich. (3. Jb. Merzig S. 50)
     
  • 1845
    Nach Nordamerika wandern aus: Michael Deutsch, 1 Person – Matthias Kiefer, 4 Personen – Johann Matthias Klein, 1 Pers. (3. Jb. Merzig S. 51)
     
  • 1847
    Josef Droitcour, Ackerer mit Frau Katharina Leick und Schwägerin Maria Weintz mit 3 Kindern aus Weiler wandern aus. (4. Jb. Merzig S. 24)
     
  • 1848
    Johann Thimmer mit Frau Eva Kratz und Kind aus Weiler wandern aus nach Frankreich. (4. Jb. Merzig S. 24)
     
  • 1850: Anton Michel wandert aus nach Frankreich. (3. Jb. Merzig S. 51)
     
  • 1853: Johann Heintz wandert aus nach Amerika. (ebd.)
     
  • 1854: Peter Heintz mit Frau Maria Seren und 3 Kindern wandert aus nach Nordamerika. (4. Jb. Merzig S. 24)
     
  • 1856
    Nach Nordamerika wandern aus: Barbara Herkel geb. Schütz – Barbara Schütz – Michel Becker – Matthias Pinter mit Frau Margarethe Deutsch und 4 Kindern. (4. Jb. Merzig S. 24)
     
  • 1861: 140 Einwohner.
     
  • 1863
    Weiler zählt 87 Gebäude, alle massiv ohne Fachwerk, 68 Ziegeldächer, 10 Strohdächer, 9 gedeckt mit beidem
     
  • 1864
    Weiler zählt 16 Pferde, 29 Kühe, 20 Schweine, 17 Ziegen
    Rohlinger Peter und Rohlinger Nikolaus wandern aus nach Nordamerika. (3. Jb. Merzig S. 51)
     
  • 1866
    Johann Uder, Handelsmann, und Frau Maria Becker mit 2 Kindern wandern aus nach Nordamerika. (4. Jb. Merzig S. 24)
     
  • 1867
    Nikolaus Riplinger und Frau Elisabeth Hein mit 8 Kindern wandern aus nach Frankreich. (ebd.)
     
  • 1868: Ein Kast aus Weiler wandert aus nach Nordamerika. (3. Jb. Merzig S. 51)

Der wirtschaftliche Aufschwung, den die Saargegend im vorigen Jahrhundert erlebte, kam auch Weiler zugute. Der Ackerbau und vor allem der Obstanbau stehen in hoher Blüte. Der größte der Teil der Bewohner ist jedoch in der Saarindustrie beschäftigt. 1

  • 1871: 151 Einwohner.
     
  • 1895: 37 Haushalte, 162 Einwohner, 77 männlich, 85 weiblich (Kell I S. 164)
     
  • 1915: Bis dahin gingen die Kinder nach Büdingen zur Schule1, nun hat Weiler 1 Schulklasse mit 40 Kindern. (Kell I S. 207)
     
  • 1918: Zum 1. Weltkrieg wurden einberufen 29 Mann, gefallen einer. (Kell I S. 170)
     
  • 1924:
    Im Herbst 1924 hat die Gemeinde mit dem Bau eines eigenen Schulhauses begonnen, das am 16.10.1925 bezogen werden konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt fand der Unterricht in einem gemieteten Raume statt. 1
     
  • 1926
    Weiler, zur Postagentur Schwemlingen gehörig, erhält eine Telegrafenhilfsstelle und eine öffentliche Fernsprechstelle. (Kell I S. 288)
     
  • 1927: 190 Einwohner.
     
  • 1930: 205 Katholiken2
    Michael Jung stellte uns sein zufällig gefundenes Adressbuch der Gemeinde Weiler aus 1930 zur Verfügung. Demnach gab es in Weiler einen Polizeidiener und Feldhüter in Personalunion (Johann Scholtes), den Lehrer Josef Benner, eine Post mit Telegraphenhilfsstelle (Nikolaus Kuhnt), eine Haltestelle der Postlinie Saarburg-Tünsdorf-Merzig, die Vereine Männergesangverein (Vors. Peter Nilles), einen Gemeinderat mit 9 Mitgliedern (Gemeindevorsteher Peter Zimmer, Stellvertreter Johann Mauer) und einige Gewerbetreibende: Abdecker Peter Wolf, Brennerei und Gasthaus Anton Rohlinger, Flaschenbier Ehefrau Michel Schnur, Geflügelfarm Peter Otto, Lebensmittel Johann Scholtes und Peter Zimmer, Mühle Michel Zimmer, Rauchwaren/-artikel Peter Zimmer, Schuhmacher Albert Mauer, Stellmacher Johann Michel

     
  • 1935: 206 Einwohner.
     
  • 1939: 199 Einwohner.
     
  • 1946: 195 Einwohner.
     
  • 1949:
    Weiler ist selbständige Gemeinde, gehört kirchlich zur Pfarrei Büdingen. Gemeinderatswahlen, freie Listen: 7 Sitze
     
  • 1951
    227 Einwohner, 111 männlich, 116 weiblich, 57 Haushalte, 38 Wohngebäude, 1 Schule, 1 Lehrperson, 39 Kinder
     
  • 1952
    Weiler zählt 12 Pferde, 54 Rinder, 111 Schweine, 50 Ziegen (GuO Tabellenteil, S. 127)
     
  • 1954: 252 Einwohner, 123 männlich, 129 weiblich
     
  • 1958:
    Vergrößerung und Renovierung der Kapelle (Merziger Bauwerke, S. 108)
    Bemerkens- und lobenswert ist die Tatsache, dass der Umbau der Kapelle, die heute als Schmuckstück des Ortes angesehen werden kann, in uneigennütziger Weise von der Gemeinschaft der Bevölkerung getätigt wurde. Ein Kriegerdenkmal ist seitlich der Kapelle errichtet worden. 1
     
  • 1960:
    Heute ist Weiler ein aufgeschlossenes Dorf mit ca. 300 Einwohnern, die sich im Tal des Kohlenbrucher Baches, umgeben von bewaldeten Höhen, recht wohl fühlen. 1
    Gründung des MGV “Almenrausch” Weiler e. V.
     
  • 1974
    Im Zuge der Gebietsreform kommt Weiler als Stadtteil zu Merzig.
    304 Einwohner

Quellen:

ohne Angaben: Stadtarchiv Merzig
1
Festschrift Gründung MGV Almenrausch 1960
2 Adressbuch der Gemeinde Weiler 1930